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Interview mit Wolfgang Krzizok

Wolfgang Krzizok
Mitglied, Vereinslegende und ehemaliger Spieler der 1. Mannschaft

Woife! Schön, dass du dir für unsere neue Ausgabe des Heimvorteils die Zeit nimmst und unsere Fragen beantwortest. Das Wichtigste zuerst – wie geht‘s dir?

Danke der Nachfrage. Je mehr nach der Pandemie das Leben wieder zurückkehrt, umso besser geht es mir, wobei ich sagen muss, dass ich ohnehin ein sehr positiver Mensch bin. Allerdings habe ich an Gewicht etwas zugelegt, und ich muss schauen, wie ich meinen Corona-Kessel wieder wegkriege, nicht, dass ich – in Anlehnung an Sascha Mölders – bald „Die Wampe von Geisling“ bin.

Wie empfindest du das Geislinger Vereinsleben nach den vielen Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie?

Es ist schön, zu sehen, wie das sportliche und gesellschaftliche Leben wieder zurückkehrt beziehungsweise zurückgekehrt ist. Man merkt das bei Aktiven und Zuschauern. Die Gesichter sind alle wieder fröhlicher geworden. Das sieht man sogar durch die Masken.

Was hat sich deiner Meinung nach in den vergangenen Monaten positiv verändert?

Ich habe den Eindruck, dass Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt insgesamt größer geworden sind. Es herrscht eine richtige Aufbruchstimmung. Und was mir auch aufgefallen ist: Wenn es mal einen sportlichen Rückschlag gibt, dann wird das mittlerweile viel leichter genommen, nach dem Motto: Das ist alles nicht so schlimm gegen das, was wir während der Pandemie erlebt und mitgemacht haben. Der Sport wird zwar nach wie vor beziehungsweise wieder sehr ernst genommen – und das ist auch gut so –, aber letztlich gibt es Wichtigeres. Eine Niederlage ist zwar ärgerlich, aber keine Katastrophe mehr.

Welche Entwicklung traust du dem Verein noch zu?

Da ist noch Einiges drin. Wie das alles hier in den letzten Jahren vorwärts gegangen ist, das ist einfach unglaublich. Ich meine damit zum einen das neue Vereinsheim, zum anderen aber auch die Entwicklung der Mannschaften – bei Herren und Frauen sowie im Nachwuchs. Da ist noch kein Ende abzusehen.

Was würdest du dir für den Verein und seine Mitglieder wünschen?

Dass diese gute Stimmung, wie sie im Moment herrscht, und auch der Zusammenhalt von Jung bis Alt so bleibt. Ich kenne nur ganz wenige Vereine, die so eine tolle Sportanlage haben, und die das auch zu schätzen wissen. Oft wird sowas als selbstverständlich hingenommen. Ich jedenfalls freue mich jedes Mal, wenn ich unsere herrliche Anlage betrete, und ich bin stolz darauf, FCL-Mitglied zu sein.

Wir wissen natürlich, dass du gerne beim Erdinger Eishockey bist. Hand aufs Herz. Bist du lieber im Erdinger Eishockeystadion oder lieber am Geislinger Fußballplatz?

Sowohl als auch, würde ich jetzt mal ganz diplomatisch sagen, denn von den Uhrzeiten her gibt es ja keine Überschneidungen. Es macht Spaß, zum Beispiel am Sonntag zuerst ins Fußball und anschließend ins Eishockey zu gehen. Aber natürlich bin ich im Sommer lieber auf dem Fußballplatz und im Winter lieber in der Eishalle

Was kann der Fußball vom Eishockey lernen?

Die Fußballer können von den Eishacklern vor allem Härte lernen. Wenn ein Eishockeyspieler liegen bleibt, dann hat er sich wirklich weh getan. Zeit schinden geht beim Eishockey ja nicht, da die Uhr angehalten wird. Beim Fußball ist mir manchmal zu viel Theatralik dabei, oft nur, um Zeit zu schinden, oder eine Gelbe Karte für den Gegner zu provozieren. Auch beim Reklamieren: Wenn du als Eishackler reklamierst, dann kassierst du sofort eine Zwei-Minuten-Strafe. Fußball-Schiris lassen sich oft zu viel gefallen – speziell was das abfällige Abwinken betrifft. Und beim Eishockey ist es so, dass die Schiris nur mit den Kapitänen reden, wenn es was zu diskutieren gibt. Alle anderen Spieler haben Abstand zu halten. Und was die unteren Eishockey-Ligen betrifft, so ist erstaunlich, wie weit und vor allem wie vielfältig das Merchandising selbst bei den kleinsten und unterklassigsten Clubs ist. In jedem Stadion gibt es einen Fanshop. Da haben die Fußballvereine noch Nachholbedarf.

Wenn du ein Geislinger Eishockey-Team gründen könntest. Welchen Namen hätte die Mannschaft?

Ganz klar: „Kaiser Chiefs“ (lacht). Als Alternative hätte ich auch noch „Geisling Giants“ im Angebot.

Kommen wir zum Fußball. Wer ist für dich der beste Geislinger Fußballer aller Zeiten und wer spricht am Stammtisch so, als wäre er es selbst gewesen?

Der beste Geislinger Fußballer aller Zeiten war für mich Jakob Tauber, weil er für mich der kompletteste Fußballer war. Der beste Torwart war für mich Mani Eicher, der beste Abwehrspieler Peter Ganser, der beste Sechser Harry Mehringer, der beste Zehner Manfred Perzl und der beste Stürmer Ante Lechner. Aber der kompletteste war einfach der Jak. Er war ein Musterbeispiel an Disziplin. Und er hat wirklich – ganz nach dem alten Spruch – da gespielt, wo ihn der Trainer hingestellt hat. Ein Multitalent. Er konnte alles. Der Jak war ein unglaublich robuster und schlitzohriger Stürmer und hat seine Tore gemacht, er konnte im Mittelfeld die Bälle verteilen, hat als Abwehrspieler deutlich schnellere und technisch bessere Spieler abgekocht und als Libero die Abwehr organisiert. Und schließlich war er auch noch ein erstklassiger Torwart. Das konnte kein anderer.
Wer am Stammtisch der beste Fußballer ist, das sage ich lieber nicht, sonst ist mir der Röslmair Gerhard vielleicht beleidigt. (lacht)

Die 1. Mannschaft spielt seit über 30 Jahren endlich wieder Bezirksliga. Wird es ein kurzes Abenteuer bleiben?

Das glaube ich nicht. Die Mannschaft hat auf alle Fälle das Potenzial zum Klassenerhalt und sie ist – so zumindest mein Eindruck von außen – ein verschworener Haufen. Was auch sehr wichtig ist, dass eine Hierarchie in der Mannschaft herrscht, also dass es Führungspersönlichkeiten auf dem Feld gibt, aber auch außerhalb, bei gesellschaftlichen Aktivitäten. Das gehört dazu und ist sehr wichtig. Wenn das alles passt, dann kann eigentlich nichts schiefgehen.

Können Parallelen zur damaligen Bezirksliga-Mannschaft gezogen werden?

Da verweise ich auch meine Antwort zur vorigen Frage. Bei uns hat damals alles gepasst. Wir hatten nicht nur eine gute Mannschaft, in der ein großer Zusammenhalt herrschte und die zu 90 Prozent aus Eigengewächsen bestand. Wir haben auch außerhalb des Fußballs viel unternommen, zusammen mit unseren Mädels, die natürlich auch bei den Spielen dabei waren: Abendessen, Grillfeste, Skiausflüge, Tagestouren, Theaterfahrten, Mannschaftsausflüge – wobei der Höhepunkt die zweiwöchige Reise nach Djerba war, nach unserem Bezirksligaaufstieg 1984. Und es waren fast immer alle dabei.

Die A-Klasse 7 hat sich zur Erdinger Stadtmeisterschaft entpuppt. Ungewöhnlich, interessant und dennoch schade, dass es so weit kommen konnte. Was ist deine Meinung dazu?

Auf der einen Seite ist es interessant, und für die zweiten Mannschaften auch in Ordnung. Auf der anderen Seite fast schon beschämend, wie viele erste Mannschaften in der A-Klasse herumdümpeln. Am Peinlichsten finde ich, dass der FC Erding in der A-Klasse spielt – und dazu nur noch eine Mannschaft hat. Da ist in den letzten Jahren so ziemlich alles schiefgelaufen, was schieflaufen kann. Altenerding ist auf einem guten Weg. Die SpVgg hat den Umschwung geschafft und ist bald wieder in der Kreisliga, würde ich mal prophezeien. Auch Türk Gücü und Eichenkofen sollten mindestens eine Liga höher spielen. Aber der FC – das ist ein Kapitel für sich.

Was bräuchte es, um in der Stadt Erding eine Mannschaft dauerhaft oberhalb der Bezirksliga zu etablieren?

Da hatten wir damals auch schon mal drüber nachgedacht. Man braucht eine gute Vereinsführung, die sich auskennt. Dann braucht man einen guten Trainer, der bestens vernetzt ist. Danach einen Stamm aus einheimischen Spielern, damit sich die Fans auch identifizieren. Und drunter muss ein starker Nachwuchs sein. Mit der JFG wäre da ja eigentlich schon eine Basis gelegt. Ob die besten Spieler, dann alle in Erding, Altenerding oder Geisling spielen, da müssten sich die Clubs einig werden. Aber das war damals schon das Problem: Wer gibt schon seine besten Spieler her und schickt sie zum Ortsrivalen? Und ein paar Sponsoren braucht man natürlich auch. Der FC Schwaig macht es uns ja gerade vor, wie es geht.

Du arbeitest bekanntlich in der Redaktion des Erdinger Anzeiger. Wie dürfen wir uns den Sonntagabend vorstellen? Wird über die Sportergebnisse des Wochenendes fleißig gesprochen? Oder ist es eher bis hin zum Redaktionsschluss so hektisch, dass keine Zeit für einen Plausch mit den Kollegen bleibt?

Die Ergebnisse vom Samstag werden eigentlich gleich besprochen, wenn der Sonntagsdienst beginnt. Hektisch ist es natürlich dann bei der aktuellen Sonntags-Berichterstattung – vor allem, je näher der Redaktionsschluss kommt. Aber es wird zwischendurch auch mal kurz geratscht, und es werden Ergebnisse kommentiert, vor allem, wenn zwischendurch immer wieder mal der Liveticker aktualisiert wird. Da hört man dann aus einer Ecke: „Mei, Wahnsinn!“ Aus einer anderen „Ah geh, des gibt’s ja ned!“ Und wieder aus einer anderen: „Jetz hamm de echt des Schpui no draaht!“ Oder wenn die Kollegen, die die unteren Klassen schreiben, erzählen, dass einer in einem Spiel fünf Tore geschossen oder ein Torwart zwei Elfer gehalten hat. Dafür ist immer Zeit. Und dafür muss auch Zeit sein.

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